Rumi IN DEN WELLEN UND DARUNTER

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IN DEN WELLEN UND DARUNTER

Es gibt Zeichen in Augen, die bis zum Meer sehen.
Eins davon ist das Erstaunen.

Jene am Ufer, die Schaum und Treibgut studieren,
haben Vorsätze, die sie dir lang und breit erklären werden!

Jene, die bis zum Meer sehen, werden zum Meer
und können darüber nicht sprechen.
Am Strand hörst du Sehnsuchtslieder und Wutgezeter,
den raffinierten Wortetanz der Persönlichkeit.

Doch in den Wellen und darunter
gibt es weder Eigenwillen noch Scheinheiligkeit,

nur Liebe, die Formen bildet und sich entfaltet.

(Nach Coleman Barks)

RUMI Der Meditierende im Obstgarten

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Ein Mann sitzt in einer Plantage,
üppige Obstbäume, pralle Reben.

Sein Kopf ist auf seinen Knien, Augen zu. Sein Freund sagt:
„Warum diese mystische Versenkung,
wenn die Welt doch so schön ist, so eine Gnade?“

Er antwortet: „Dieses Außen bildet sich aus dem Innen.
Ich ziehe den Ursprung vor.“

Natürliche Schönheit ist wie ein Ast,
der sich in einem Flüsschen spiegelt.
Da zittert er, dort nicht.

Die Ausdehnung in der Seele
ist wirklicher als Äste und ihre Spiegelbilder
wegen denen wir lachen und froh oder traurig sind.

Fang den Duft des wirklichen Gartens ein.
Schmecke den Weinberg im Weinberg.

 

(Nach Coleman Barks)

 

DIE TECHNIK DES AUF-GEBENS

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„Wenn eine Situation vollständig der Wahrheit übergeben wurde, ist Frieden unausweichlich.“ (Ein Kurs in Wundern)

 
Im Herbst 2007 hatte ich schwere Depressionen und war ernsthaft krank. Ich hatte seit fast 20 Jahren an einer Form von MS gelitten sowie mein ganzes Leben lang an wiederkehrenden Phasen von Depression. Gerade war ich 50 geworden und vor kurzem erst hatte ich meinen Beruf als Schauspieler und Atemtherapeut gegen die Frührente eingetauscht, was mir wie der endgültiger Todesstoß vorgekommen war. Mein Leben lang war ich ein spiritueller Sucher gewesen, und ich hatte zwar auch Zeiten von Harmonie und Leichtigkeit erfahren, dennoch schienen diese völlig abhängig von den äußeren Situationen zu sein. Sobald die äußere Situation sich veränderte, übernahmen sofort wieder Ärger, Verzweiflung, Angst, und manchmal sogar Panik das Ruder. Es hatte nie einen wirklichen Anker gegeben, der dauerhaft für mich verfügbar gewesen wäre. Was mir geblieben war, war nur die Hoffnung auf Erleuchtung irgendwann in der Zukunft.

Ich hatte verschiedene spirituelle Wege ausprobiert und blieb letztendlich bei Ein Kurs in Wundern hängen. Einige Langzeitschüler des Kurses nahmen mich dabei buchstäblich an der Hand und halfen mir, besser zu verstehen. Trotzdem war ich nicht dazu in der Lage, die Tatsache zu akzeptieren, dass ich total verantwortlich war für die Situation, in der ich mich selbst erlebte.

Dann planten meine Kursfreunde ein Stille-Retreat in der Wüste Sinai in Ägypten. Trotz einer schieren Hölle an Widerstand, stimmte ich schließlich zu, sie zu begleiten, und das obwohl ich genau zu wissen meinte, dass ich wegen meiner neurologischen Symptome die intensive Wüstenhitze nur schwer ertragen könnte, ganz zu schweigen von den Schwierigkeiten, die ich mit meinen Krücken im tiefen Sand haben würde. Dennoch war diese Reise in die Wüste Sinai die einzige Möglichkeit, die ich sehen konnte, um aus der schrecklichen Depression herauszukommen, die mich schon mehrere Male an den Rand des Suizids gebracht hatte.

Was ich dann in der Wüste lernte, war die kostbarste und im Grund einfachste innere Übung, die ich jemals kennengelernt habe. Ein Kurs in Wundern nennt sie den „heiligen Augenblick üben“. Nennen wir sie hier einmal die Technik des Auf-Gebens. Dabei ist mit Auf-Geben in keiner Weise Resignation gemeint. Gemeint ist damit, die gesamte Situation, die man erfährt „hinauf“ abzugeben in die Hände Gottes oder unserer Quelle oder der Höheren Intelligenz.

Der Kurs erklärt wieder und wieder, dass allem, was wir fühlen, unsere eigene Wahl zugrunde liegt. Wenn ich Angst fühle, dann deshalb, weil ich gewählt habe, Angst zu haben. Und nur ich allein bin es, der sich entscheiden kann, und zwar jederzeit, etwas anderes zu fühlen.

Als ich also da in meinem Schlafsack lag in der Nacht in der Wüste Sinai, voller Verzweiflung über mein ruiniertes Leben und meine ruinierte Gesundheit und voller Ärger und Neid auf all die „gesunden“ Leute um mich herum, fing ich an, diese innere Technik des Auf-Gebens zu praktizieren. Ich glaubte zwar nicht daran, aber da ich absolut keine andere Möglichkeit mehr hatte, fing ich einfach damit an. Irgendwie stellte ich mir Hände aus Licht vor, die zu mir herunterreichten und ich legte alle meine unglücklichen Gefühle und Gedanken in sie hinein. Und komischerweise – plötzlich war ein kurzes, fröhlich glucksendes Lachen in mir zu hören, und gleich darauf schlief ich ein.

Als ich aufwachte waren natürlich all meine Verzweiflung und Panik wieder da. Dennoch übte ich dieses Auf-Geben einfach weiter. Und als ich schließlich aus dem Sinai nach Hause zurückkam, war keine Spur von Depression mehr in mir. Ich wusste, dass ich geheilt und gesund und ganz war, egal ob mein Körper gerade humpelte oder nicht, und dass das Göttliche immer bei mir war – so wie bei Jedem, egal ob der/die das gerade auch mitbekam oder nicht.

Dennoch war ich mir an diesem Punkt der Macht der Entscheidung nicht wirklich bewusst. Diese Einsicht dämmerte mir erst allmählich. Ihre Wirksamkeit erfuhr ich 6 Monate später, wieder auf dem Sinai, diesmal mit meiner Frau in einem kleinen Hotel am Roten Meer, als ich aufgrund eines plötzlichen schweren MS-bedingten Drehschwindels eine Panikattacke hatte. Als ich dort im Bett lag, steif und erstarrt vor Angst, kamen mir Sätze vom Kurs in Wundern in den Sinn:

Gott geht mit mir, wohin auch immer ich gehe … Ich werde von der Liebe Gottes erhalten … Ich bin das Licht der Welt …

Diese Sätze waren wie kleine Lichtpunkte inmitten der bedrückenden Dunkelheit, die mich umgab. Ich klammerte mich an sie wie ein Ertrinkender. Plötzlich begann sich die Dunkelheit zu drehen wie ein massives Rad. Voll Erstaunen betrachtete ich, wie sich diese ganze Szene deutlich in meinem Geist abspielte. In meinem Geist war die Dunkelheit. In meinem Geist war das Licht. Die Entscheidung, was ich erfuhr, lag nur an mir. Mehr und mehr entspannte ich mich und schlief schließlich ein.

Als ich aufwachte, war es immer noch Nacht. Ich war wieder fähig, mich zu bewegen, tastete mich torkelnd durch die Dunkelheit zu der Glasschiebetür zur Terrasse und erblickte voll Dankbarkeit den dunklen, leeren Strand und das ruhige Rote Meer. Langsam begann es zu dämmern. Als es hell war, kam in der morgendlichen Stille ein kleiner Spatz auf ein Antennenkabel ganz in meiner Nähe geflogen. Er hüpfte draufgängerisch auf dem Kabel herum und zwitscherte mich frech und lebensfroh an.

Über zwei Jahre lang ging es mir daraufhin richtig gut, bis ich schließlich erneut in das finstere Loch der Depressionen stürzte. Tief verdrängte Lebensängste nahmen damals aufgrund verschiedener Auslöser plötzlich Gestalt an. Und an die sonst so hilfreiche Methode des Auf-Gebens erinnerte ich mich nicht einmal mehr. Ebenso wenig wie an die Macht der Entscheidung.

Wenn ich ehrlich bin, hatte es damals allerdings einen Moment gegeben, in dem ich ganz deutlich sah wie dieser Absturz geschah und warum – nämlich weil ich mich eben dafür entschied!

Es sollte noch einmal gute zweieinhalb Jahre dauern, bis ich aus diesem Loch herauskam, indem ich mich endgültig und leidenschaftlich dafür entschied, ein für alle Mal glücklich zu sein. Und zwar nicht morgen oder in einer Woche, sondern jetzt auf der Stelle. Und das klappte!

Offenbar hatte ich endlich den kostbaren Schalter gefunden, nach dem ich mein Leben lang gesucht hatte. Langsam aber beständig verbessert sich dadurch auch wieder meine neurologische Situation.

Nun ist es natürlich nicht so, dass ich ständig herumspringe und jubiliere, aber ich weiß, dass in jedem Moment all das Gute plus der Liebe Gott in unmittelbarer Nähe und zugänglich sind.

Was immer wir also an finsteren Gedanken und Gefühlen erleben mögen, wir können diese augenblicklich unserer Quelle übergeben und sie ersetzen lassen durch einen wie immer gearteten Ausdruck der liebevollen und klaren hohen Frequenz unseres Allerinnersten.

 

“Gib Gott deine Gedanken und Er wird sie dir als Wunder wiedergeben.”
(Ein Kurs in Wundern)

 

Christoph Engen
http://www.wundersindkeinwunder.de

THE POWER OF GIVING UP – Part 2

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“Give Him your thoughts, and He will give them back as miracles…”
(A Course in Miracles, W-151)

Then eventually I fell back into the dark pit of depression once again, actually only because of actively overlooking the fact that I had deliberately chosen to fall back in there. When I’m honest, there was this situation where I clearly saw how this happened and why – because of my choice – but refused to do something against it and choose otherwise.

It was not until two and a half years later that I got out of this pit by finally and fervently choosing to be happy – once and for all. Not tomorrow or in a week, but right this very moment. And it worked!

Obviously I had finally found this most precious switch I had been looking for all life long. And slowly but consistently my health situation improved again.

Now it’s not that I constantly bounce around and jubilate, but I do know that at any given moment all the good plus our dear Lord are right at hand and accessible. And whatever dark thoughts and feelings I might experience, I can hand them over instantly to this very Source of ours and find them immediately exchanged by some expression of the gentle and clear high frequency of Spirit.

Thus it proves to be so very wise, what one of my teachers had once suggested:
“God doesn’t have any problems, so just give Him yours.”

 

THE POWER OF GIVING UP

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“When a situation has been dedicated wholly to truth, peace is inevitable.”        (A Course in Miracles, T 398)

In the autumn of 2007, I was deeply depressed and seriously ill. I had been suffering from a form of Multiple Sclerosis for almost 20 years and from returning phases of depression all my life. I had just turned 50 and had recently exchanged my profession as actor and breath-therapist for early retirement, which had been like the final deathblow to me. A life-long spiritual seeker, I had experienced times of harmony and ease; however, they seemed to be completely dependent on outward situations. When these outward situations changed, anger, despair, fear and, sometimes, even panic took over immediately. There had never been any genuine, permanent anchor available to me. There was just the hope of enlightenment sometime in the future.

I had tried various spiritual paths, eventually clinging to the mind training of A Course in Miracles. Some long-time students of the Course held my hand and helped my understanding along. Still, I was unable to accept the fact that I was completely responsible for the situation I experienced myself in.

Then my Course-mates planned a silent retreat in the Sinai Desert of Egypt. Despite a sheer hell of resistance, I finally agreed to accompany them, even though I knew very well that, due to my neurological symptoms, I would hardly be able to tolerate the intense desert heat, not to mention the difficulties walking with my crutches in deep sand. Yet going to the Sinai Desert was the only option I could see to get out of my horrible depression, which had brought me to the brink of suicide several times already.

What I learned in the desert was the most precious and easiest inner practice I have ever experienced. A Course in Miracles calls it “Practicing the Holy Instant” (T 309). Let me call it the technique of ‘Giving Up’. This does not mean resignation, in any form. It means to give one’s whole situation upward into the hands of God, our Source, or the High Intelligence.

The Course states adamantly and uncompromisingly that everything we feel is of our own choosing. So, if I felt fear, it was because I had chosen to feel fear, and I alone could make the decision to feel something else.

As I lay there in my sleeping-bag at night, in the Sinai, full of despair over my ruined life and health and full of anger and envy at all those ‘healthy’ people I was with, I started to practice this inner technique of ‘Giving Up’. I didn’t believe in it but, since I had absolutely no other option left, I just started. Somehow, I imagined hands of light reaching down to me and I put all my miserable feelings and thoughts into them. And, strangely enough, suddenly there was a short giggle of relief within me and immediately I fell asleep.

The moment I woke up, all my despair and panic was back, of course. However, I practiced ‘Giving Up’ again and again. And, eventually, when I returned from Sinai there was no speck of depression left in me. I knew I was healed  and healthy and whole, no matter whether my body was presently limping or not, and that the Divine always was with me — as with everyone, whether they currently experienced it or not.

However, at this point, I was not really aware of the power of choice. This insight only dawned on me and it proved its efficiency six months later, again in the Sinai Desert, this time with my wife in a little hotel by the Red Sea, when I had a sudden panic attack, related to severe MS-vertigo. As I lay there in bed, stiff and frozen with panic, phrases from A Course in Miracles came into my head: “God goes with me wherever I go” (W 63)… “I am sustained by the love of God” (W 79)… “I am the light of the world” (W 102)…

These sentences were tiny points of light in the oppressive darkness that enveloped me. I clutched at them like a drowning man. Suddenly, the darkness began to revolve like a massive wheel. Amazed, I watched the whole scene unfolding clearly in my mind’s eye. The darkness was in my mind. Light arose in my mind. The choice was mine alone to make. I relaxed more and more and finally fell asleep.

When I awoke it was still night. I was able to move again, and I groped my way through the dark, tottered to the sliding glass door leading to the terrace and gazed, filled with gratitude, at the dark, empty beach and the calm Red Sea. Dawn crept in gradually. It was getting light, and in the stillness a small sparrow fluttered onto a nearby antenna cable. He hopped back and forth on the wire and chirped at me boldly and cheerfully.

Now, as A Course in Miracles continues to guide, teach and inspire me, ever deeper, my physical health situation keeps improving. My physiotherapeutic exercises are no longer fearfully aimed at preventing further deterioration but, rather, an expression of joyfully relearning neurological capacities.

And it all really started with practicing the holy instant from the Course, through this inner technique of ‘Giving Up’.

Once again:

What proves to be the most effective inner act I can perform in order to free myself, in no time, from negativity — such as fear, anger, greed, or lethargy — is the following:

I take whatever I am experiencing — say some nightmare I just had, anger, panic or dullness I feel right now — and I imagine handing this over into some kind ‘hands of light’ that reach toward me from up above. That is all.

Try it yourself. Give whatever unease you are experiencing over up high. It takes just a moment. Probably nothing big will happen immediately but, if you keep practicing this inner technique whenever you think of it, eventually, things will change. Relief and happiness are bound to result.

And if you want, you can even surrender the positive and the good to the Divine. At last, you will not be keeping anything for yourself and, paradoxically, you will win everything — the indescribable peace that surpasses all understanding.

 

Christoph Engen

Rumi SAG, ICH BIN DU

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Ich bin Staubteilchen im Sonnenlicht.
Ich bin die runde Sonne.

Zu den Staubteilchen sage ich, Bleibt.
Zur Sonne, Bleib in Bewegung.

Ich bin Morgendunst.
Und der atmende Abend.

Ich bin Wind in den Wipfeln von Bäumen.
Brandung an einer Klippe.

Ich bin Mast, Ruder, Steuermann, Kiel.
Und das Korallenriff, an dem sie zerschellen.

Ich bin ein Baum mit einem dressierten Papageien in den Ästen.
Stille, Gedanke und Stimme.

Musikstrom aus einer Flöte.
Funke von einem Stein, Flimmern in einem Metall.

Zugleich Kerze und Motte, die wild um sie schwirrt.
Rose und Nachtigall, die sich in ihrem Duft verliert.

Ich bin alle Formen des Seins, die kreisende Galaxie,
die Intelligenz von Evolution, der Aufschwung, der Fall.

Ich bin das, was ist und das, was nicht ist.
Du, der Du Dschelaluddin* kennst, Du, der Eine in Allem,

sag, wer ich bin.
Sag, Ich bin Du.

 

*Dschelaluddin ist der Vorname Rumis

Nach einer Version von Coleman Barks, übersetzt von Christoph Engen